Tattoo

Tätowierungen: Kunstwerke am Körper mit Tradition
Die Begriffe Tätowierung und Tattoo leiten sich vom tahitischen Wort „ta tatau“ ab, was soviel wie „eine Wunde schlagen“ bedeutet. Seinen Körper mit Tattoos zu schmücken, hat in vielen Naturvölkern seit Jahrtausenden Tradition. Als Zeichen eines individuellen Lebensstils, einer Einstellung kamen Tattoos in den vergangenen zwanzig Jahren auch in westlichen Gesellschaften in Mode und finden immer mehr Verbreitung.
Die Tätowierung als Kunst- und Ausdrucksform ist eng mit ihrem Träger verknüpft. Dein Tattoo gehört dir dein Leben lang! Es bleibt in einer sich ständig ändernden Welt und gibt Stabilität und Sicherheit. Es ist wie eine zweite Haut, die optischen Schutz bietet, eine kleine Rüstung oder ein Kleidungsstück, dass dir niemand nehmen kann, ein Collier, dass man nicht mehr ablegen kann. Es gehört Mut dazu, sich auf etwas festzulegen, was immer da ist – unendlich endlich.
Tattoo-Motive sind oftmals Metaphern für ein Leben oder stehen für den Lebensabschnitt, in der man die Tätowierung hat stechen lassen, für gute Zeiten, schlechte Zeiten. Man kann Tätowierungen vergleichen mit einem sichtbaren Tagebuch – Tätowierungen erzählen wichtige Lebensgeschichten, mit denen sich auch Emotionen und Erinnerungen verbinden, zum Beispiel Erinnerungen an einen geliebten Menschen oder ein geliebtes Tier. Symbole, Zeichen, Schriftzüge und Figuren stehen für einen Lebensweg und wichtige Stationen im Leben. Tätowierungen sind Ausdruck von Gefühlen – man zeigt seine Identität.
Oft sind es Spiegel der eigenen Persönlichkeit und der Ästhetik. Eine Tätowierung unterstreicht eine Weltanschauung und Wertvorstellung. Eine Tätowierung ist Ausdruck von ästhetischem Empfinden, von Männlichkeit, von Frausein, von Erotik, von Religion, von Liebe und Hoffnung, von Spiritualität, von Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene, von Modetrends, von der Faszination anderer Kulturen oder Zeitepochen, aber auch von Humor und Witz. Manchmal darf es eben einfach ein Teller Königsberger Klopse sein – warum auch nicht.
Durch einen individuellen Körperschmuck hebt man sich von der Masse ab, man unterscheidet sich und hat die Möglichkeit, sich darzustellen oder abzugrenzen, zu provozieren und zu rebellieren. Dabei sind die Möglichkeiten der Motivauswahl schier unendlich.
Bei den meisten Menschen bleibt es nicht bei einer Tätowierung, denn wer sich mit seiner ersten Tätowierung wohl fühlt, denkt schon bald über eine zweite nach. Zungen behaupten, Tätowieren mache süchtig oder man hätte sich mit dem Tattoo-Virus infiziert und will einfach immer mehr. Du kannst Tätowierungen etwa mit einer Plattensammlung vergleichen. Beide können beliebig wachsen. Mit der Zeit bildet sich dann eine bestimmte Handschrift, ein spezieller Geschmack, ein besonderer Stil heraus. Musik und Tätowierungen erzählen Geschichten, vermitteln ein Gefühl und machen Erinnerungen lebendig. Es gibt jedoch einen bedeutsamen Unterschied: während ein Sammler einzelne Platten im Regal verschwinden lassen kann, kannst du ein Tattoo nicht so einfach wegradieren.
